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Hygiene

© Andreas Hermsdorf

Infektionskrankheiten sind schon seit Jahrtausenden bekannt. Kenntnisse über Ihre Ursachen sind jedoch erst ca. 100 Jahre alt. Vorher wurden Infektionskrankheiten in den Miasmen, Verseuchung der Luft oder giftige Ausdünstungen des Bodens, angesehen. Obwohl Bakterien erstmalig von Antoni van Leeuwenhoek mit Hilfe eines selbstgebauten Mikroskops in Gewässern und im menschlichen Speichel beobachtet und 1676 von ihm in Berichten an die Royal Society of London beschrieben wurden, konnte erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert durch Louis Pasteur und später durch Robert Koch die Voraussetzungen für ein Umdenken geschaffen werden. Conditio sine qua non, beschreibt die Anwesenheit des Mikroorganismus irgendwo in der Außenwelt. An vielen Stellen ist er nützlich und auch zwingend erforderlich. Man unterscheidet hier zwischen Saprophyten (Mikroorganismen die beim Menschen keine Krankheit auslösen) und Parasiten (jene die den Wirt schädigen).

In der Hygiene versucht man durch gezielte und geeignete Maßnahmen die Übertragung von pathogenen (potentiell krankmachenden) Mikroorganismen auf den Menschen zu verhindern. Die Übertragung kann direkt z. B. durch Tröpfchen oder indirekt durch Vehikel (Gegenstände) oder Vektoren (Mensch, Tier, Insekten etc.) erfolgen. In der Hygiene kommt es darauf an, dass bei der Übertragung von Mikroorganismen das letzte Bindeglied in der Kette, also der Mensch geschützt wird. Zum Glück ist der Mensch von Natur mit einer natürlichen Resistenz ausgestattet und zusätzlich erwirbt er im Laufe seines Lebens eine spezifische Immunität. Dies schützt ihn generell. Aber nicht immer und überall; insbesondere wenn sein Körper geschwächt ist oder er aufgrund des Alters eine nicht mehr auszureichende Immunität besitzt bzw. die noch nicht erworben hat. Deshalb sind besonders in medizinischen Bereichen unbedingt die Maßnahmen der Hygiene einzuhalten. Diese sind in für die Einrichtung spezifische Hygienepläne zu beschreiben und umzusetzen. Trotz aller erdenklichen Hygieneregeln gibt es in Deutschland noch jährlich ca. 45.000 Todesfälle in Kliniken durch nosokomiale Infektionen. Ca. 1/3 davon wäre vermeidbar durch eine sachgerecht umgesetzte Hygiene.

Aber nicht nur in medizinischen Bereichen ist Hygiene wichtig, sondern in allen Bereichen wo es zu einer Gefährdung für den Menschen kommen kann. Sei es im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens, im Bereich der Lebensmittelproduktion- und Verarbeitung, in der Gemeinschaftsverpflegung, in Kindertagesstätten, Kindergärten und Schulen oder in öffentlichen Einrichtungen wie Freizeit- und Schwimmbäder. Nur um einige Bereiche zu benennen. In all den Bereichen soll ein Hygienestandard etabliert sein. Dieser soll die erforderlichen Maßnahmen beschreiben die zur Umsetzung eines Hygienekonzeptes notwendig sind.

Wie zum Beispiel:

•Personalhygiene
•Objekthygiene
•Reinigung und Desinfektion
•Krisen- und Havariemanagement
•Schädlingsbekämpfung- und Monotoring
um nur einige wenige Punkte zu benennen.

Aber leider hat die Hygiene nicht immer und überall den erforderlichen Stellenwert.

Woher auch, denn das Ergebnis einer guten Hygienepraxis lässt sich nur schwer in Zahlen ausdrücken bzw. ist der Erfolg auch nicht immer sofort sichtbar. Aber wären Mikroorganismen für jeden sichtbar – was für eine Aufregung würde das verursachen. Der Mensch würde erkennen, dass er gar nicht so alleine ist, wie er glaubt zu sein. Auf seinemKörper wimmelt es nur so von Mikroorganismen. Ungefähr 2 Kilogramm (in Abhängigkeit von Körpergröße) seines Gewichtes werden verursacht durch Mikroorganismen. Und diese sind u. a. wie folgt verteilt:

• ca. 1.000.000.000 Bakterien in 1 ml Speichel
• ca. 50.000.000.000 Bakterien auf der Haut
• ca. 100.000.000.000.000 Bakterien im Verdauungstrakt

Der Mensch besteht ca. aus 75 Billionen Körperzellen, hat aber ca. 750 Billionen Mikroorganismen. Mit der sichtbaren Erkenntnis, dass der Mensch ein potentieller Überträger von Mikroorganismen und Viren ist, wäre die Umsetzung von Hygienemaßnahmen kein Problem. Sei es das Anlegen von Schutzkleidung, die arbeitstägliche Reinigung und Desinfektion und sogar die Händehygiene wären kein Problem mehr. Aber leider sieht die Praxis etwas anders aus. Zuerst wird immer hinterfragt und überlegt ob die entsprechende Hygienemaßnahme sinnvoll ist. Dabei hat Hygiene mehr positive als negative Aspekte. Allein die Tatsache, dass durch sachgerechte Hygiene das Haftungsrisiko gesenkt wird sollte ausreichen. Stattdessen werden die Kosten gesehen. Die Frage ist nur, was kostet ein Schadensfall wirklich. Und sollte die Gesundheit des Menschen nicht im Vordergrund stehen? Denn das das Ziel der Hygiene ist es doch, alle Maßnahmen zu treffen, die zur Gesunderhaltung des Menschen dienen.

Quelle: Handbuch für den Schädlingsbekämpfer B. Behr‘s Verlag